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Warum Heimattanz?

Der Heimattanz ist eigentlich der Volkstanz und dies gehört zur Volkskultur – die Kultur der Österreicher. Es fällt jedoch gerade in Wien auf, dass sich Jugendliche kaum bis gar nicht für die Volkskultur interessieren (können). Zum einen Teil gibt es Jugendliche, die vom Heimattanz nichts wissen wollen, weil ihnen die Musik nicht passt. Und zum anderen Teil gibt es garantiert Jugendliche, die sich gerne mehr damit beschäftigen würden, aber dann könnte man im Umfeld als Idiot oder Looser degradiert werden. Manche denken auch vermutlich, dass der Volkstanz sehr schwer ist, denn keiner kennt den Volkstanz wirklich. Dabei ist der Volkstanz nicht allzu schwer, aber am Anfang doch „gewöhnungsbedürftig“.

Es ist klar, dass die Musik nicht jedem gefällt, aber wir – damit meine ich alle Jugendliche – müssen darauf schauen, dass die Volkskultur nicht verloren geht, denn in spätestens zwei Jahrzehnten sind alle Leute, die die Volkskultur kennen und diverse Volkstänze beherrschen, im Grab. Wenn diese Leute – alle schon über 60 – tot sind, und wir die Heimatkultur nicht mehr gelernt haben, ist die österreichische Volkskultur verloren gegangen.

Bis zu einem gewissen Grad ist Volkstanz „cool“ – im speziellen das Plattln. Das merke ich oft, wenn ich nach einem Auftritt mit der Tracht nach Hause fahre. Da werde ich fast immer von Jugendlichen angesprochen, ob ich plattln könne.

In den letzten Jahrzehnten ist der Volkstanz bzw. die Volkskultur immer mehr zum Aushängeschild Österreichs geworden.

Kurzer Aufflug dazu: eine 7. Klasse eines Gymnasiums in Klosterneuburg ist an Franz Fuchs – den Obmann der Volkstanzgruppe Klosterneuburg – herangetreten, um bei einem Schüleraustausch in Amerika etwas typisch Österreichisches bieten zu können: den Volkstanz.

Dazu Franz Fuchs (von seiner Homepage www.volkstanz.cc kopiert):

Beitrag von Franz Fuchs am 12. 3. 2001.

Die siebente Klasse unseres Gymnasium fährt heuer nach Amerika zu einem internationalen Treffen, sie soll dort unter anderem irgendetwas typisch Österreichisches zum gemeinsamen Programm beitragen. Die Burschen dachten sich, fernsehgebildet: "Typisch Österreichisches ist der Watschenplattler. Den tanzen wir."

Über irgend welche Umwege kam ihr Lehrer zu meiner Adresse, ein kurzes Telefongespräch folgte. Auch Mädchen sollten ja mitfahren. Eine Tracht hatten sie alle nicht, und auch gar nicht den Platz im Flugzeug, eine mitzunehmen. Ich schlug daher als dem Watschenplattler in der Show-Wirkung ebenbürtigen Tanz, bei dem die Mädchen aber ebenfalls mitwirken können und der nicht gar so an eine bestimmte Tracht gebunden sei, den Untersteirer Landler vor. Dies wurde akzeptiert, ich kam tatsächlich in den Turnsaal des Gymnasiums und zeigte den jungen Leuten den Tanz. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten hatten ihn auch alle begriffen, wollten noch englischsprachige Gstanzln dichten, oder Gstanzln von Hubert von Goisern übersetzen - und kamen dann doch wieder zu ihrem ursprünglichen Anliegen. Sie wollten unbedingt den Watschenplattler. Na gut, zeigte ich ihnen den auch, etwas vereinfacht. Dafür verlangte ich noch das Bauernmadl, sie würden ja vielleicht in die Verlegenheit kommen, mit anderen Leuten etwas zu tanzen, und dazu sei dieser einfache Tanz bestens geeignet. Eine zweite Probe zeigte, dass die jungen Leute irgendwie die Anfangsschwierigkeiten der Disko-Generation überwunden haben und eigentlich recht passabel tanzten. Ich wünsche ihnen jedenfalls viel Erfolg in Amerika - und vielleicht auch die Erkenntnis, dass Volkstanz nicht nur Watschenplattler und Moik ist, sondern vor allem etwas, das man auch als heutige Jugend lustvoll vorzeigen und eventuell sogar zur eigenen Freude tanzen kann.

Ich meine, mit Volkstänzen kulturelle Eigenständigkeit im Ausland zu zeigen, ist vor allem heute eine wichtige Funktion des Volkstanzes.

Dazu füge ich den Brief der Gymnasiasten vom 5. 4. 2001 an:
Sehr geehrter Herr Fuchs!

Unsere Tanzvorstellung in Costa Mesa, Kalifornien war ein Riesen-Erfolg - der Untersteirerlandler, das Bauernmadl und der Watschenplattler sind beim amerikanischen Publikum mit Staunen und Bewunderung aufgenommen worden.

Es würde uns nicht überraschen, sollte Sie demnächst eine Nachfrage wegen eines Volkstanzkurses in Hollywood erreichen.
Wir werden uns voraussichtlich im Laufe des Mai erlauben, Sie zu einem Amerikaabend, bei dem wir über unseren Überseeaufenthalt berichten werden, einzuladen. Vielleicht wäre es Ihnen möglich, uns bei einem erneuten Tanzauftritt mit Ihrer Ziehharmonika live zu begleiten.
Vielen herzlichen Dank für Ihren geduldigen Tanzunterricht.

Mit freundlichen Grüßen
die 7 B-Klassler des Klosterneuburger Gyms.

2005 war ein weiterer Auslandsaufenthalt der 7. Klasse, hier der Brief des Lehres:

Lieber Herr Fuchs!

Nun ist unser Bulgarienprojekt endgültig vorbei! Der Österreichabend in Varna war ein voller Erfolg!
Noch einmal herzlichen Dank für die Mühe! Es wurden noch nie so viele Tänze bei so einer Veranstaltung gezeigt und die Live-Volksmusik war sehr beeindruckend!
Danke für das Notenmaterial!
Der letzte Tanz (Bauernmadl) wurde sogar als Publikumstanz aufgeführt! Ich schicke im Anhang ein paar Bilder vom Abend und den Programmzettel.
Es hat unheimlich viel Spaß gemacht!
Viele liebe Grüße, Günther Vanek

Auch 2006 flog die 7. Klasse nach Amerika. Hier ihre Rückmeldung:

Sehr geehrter Herr Fuchs!
Wir, die Klasse 7A, möchten uns bei Ihnen sehr herzlich für die zwei Volkstanzstunden bedanken, in denen Sie uns – gratis obendrein! – drei einfache aber hübsche Tänze beibrachten. Das Erscheinen im traditionellen altösterreichischen Dirndl in einer modernen amerikanischen Highschool war ein Erlebnis, das sowohl uns als auch den amerikanischen Schülern noch länger in durchaus positiver Erinnerung bleiben wird. 
Anbei schicken wir Ihnen einige Fotos von den Tänzen, die wir vor fünfhundertköpfigem Publikum vorführen durften!
Vielen Dank nochmals für Ihre Zeit und Ihre Bemühungen!
Hochachtungsvoll, die 7A!

 

Mit der Zeit macht das Heimattanzen sogar richtig Spass!

Man muss ja nicht an der Musik hängen, und daran eine Kultur zugrunde gehen lassen. Dass es funktioniert hat die 7. Klasse unter der Leitung von Franz Fuchs mit vollem Erfolg bewiesen.

 

sgebapet verlinken 12.4.07 01:04, kommentieren

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